Warum Kinder Wiederholungen lieben – und was dabei im Gehirn passiert

 

Viele Eltern kennen diese Situation: Das Kind schüttet immer wieder denselben Becher aus. Stapelt denselben Turm. Lässt Reis durch die Finger rieseln – wieder und wieder. Für Erwachsene wirkt das schnell monoton. Man fragt sich vielleicht: „Warum macht mein Kind das immer noch?“ oder „Müsste es nicht langsam etwas Neues ausprobieren?“

Die Wahrheit ist: Wiederholung ist kein Stillstand. Sie ist ein zentraler Bestandteil der kindlichen Entwicklung.

Wenn Kinder Handlungen wiederholen, passiert im Gehirn etwas Entscheidendes. Jede neue Erfahrung bildet neuronale Verbindungen. Doch erst durch Wiederholung werden diese Verbindungen stabil. Man kann es sich wie einen Weg im Wald vorstellen: Beim ersten Mal ist es nur eine Spur im Gras. Je öfter er gegangen wird, desto klarer und sicherer wird er. Genau so arbeitet das kindliche Gehirn. Durch Wiederholung werden Synapsen gestärkt, Abläufe automatisiert und Sicherheit aufgebaut. Lernen geschieht nicht durch ständige Abwechslung – sondern durch Vertiefung.

Gerade im freien Spiel und beim Sensory Play sind Wiederholungen besonders wertvoll. Wenn ein Kind immer wieder Wasser umfüllt, Materialien sortiert oder dieselbe Bewegung ausführt, trainiert es Feinmotorik, Koordination und Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Gleichzeitig entwickelt sich Konzentration. Das Kind taucht in einen Zustand ein, in dem es vollkommen bei sich ist. Für außenstehende Erwachsene sieht das unspektakulär aus – für das Gehirn ist es Hochleistung.

Wiederholung hat jedoch nicht nur eine kognitive, sondern auch eine emotionale Bedeutung. Kinder leben in einer Welt voller neuer Eindrücke. Alles ist neu, vieles unvorhersehbar. Wiederholungen schaffen Verlässlichkeit. Sie geben Orientierung, Kontrolle und Sicherheit. Ein Kind, das eine Handlung wiederholt, erlebt: „Ich kann das. Ich verstehe, was passiert.“ Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit ist ein fundamentales Element gesunder Entwicklung.

 
 

Oft greifen Erwachsene ein, weil sie denken, sie müssten Abwechslung bieten oder das Spiel „weiterentwickeln“. Doch gerade dann, wenn wir meinen, es sei genug, beginnt für das Kind häufig erst die eigentliche Vertiefung. Lernen durch Wiederholung bedeutet, dass das Gehirn festigt, strukturiert und vorbereitet – auf den nächsten Entwicklungsschritt.

Beim sensorischen Spielen wird diese Dynamik besonders sichtbar. Wenn Kinder Materialien fühlen, schütten, drücken oder rieseln lassen, wiederholen sie Bewegungen so lange, bis sie die Eigenschaften verstanden haben. In diesen ruhigen, vertieften Momenten entsteht echte Entwicklung. Es braucht kein Spektakel, kein Ergebnis und kein Lob. Es braucht Zeit.

Warum lieben Kinder Wiederholungen? Weil ihr Gehirn sie braucht. Weil Sicherheit daraus entsteht. Weil Lernen nicht durch ständige neue Impulse wächst, sondern durch das wiederholte Erleben.

Manchmal ist das Wertvollste, was wir tun können, einfach zuzusehen – und zu vertrauen, dass genau in diesen scheinbar einfachen Momenten Grosses geschieht.

 

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Natürliche und essbare Materialien im Sensory Play – warum uns Sicherheit und alle Sinne wichtig sind

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